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Karl Lauterbach und seine Professur


In dem Video von TikTok erzählt Karl Lauterbach während eines TEDx-Talks von seinem Werdegang und spricht dabei auch an, wie er in Deutschland zu seiner Professur gekommen ist – was viele anscheinend falsch verstehen und der Meinung sind, dass er sich den Titel „Professor“ nur erschlichen hätte und folglich gar nicht so kompetent sei.
Doch viele wissen anscheinend nicht, wie man den Titel „Professor“ überhaupt bekommt!

Das Video

Das Video ist 42 Sekunden lang und HIER auf TikTok zu finden.

Am Anfang fragt eine computergenerierte Stimme: „Wie ist Karl Lauterbach Professor geworden?
Danach erzählt Lauterbach auf Englisch:

„Ich hatte keine Konkurrenz. Deswegen bekam ich die Professur. Ich habe der Universität geraten, diesen Lehrstuhl zu schaffen. Später habe ich mich auf genau diese Stelle beworben. Und glauben Sie es oder nicht, aber ich habe alle Anforderungen an diese Professur exakt erfüllt. Das hat wunderbar funktioniert, und fast hätte ich dies auch hier in Aachen geschafft, da ich bereits einige Professoren davon überzeugt hatte, dass dies der richtige Weg für meine Alma Mater in Aachen sei.“

Der Ursprung des Videos

Das Originalvideo ist auf YouTube zu finden (siehe HIER), der Ausschnitt, der im TikTok-Video verwendet wurde, beginnt ab Minute 7:32.

Das Video stammt aus dem Jahr 2014. Lauterbach spricht in einem TEDx-Vortrag über seinen wissenschaftlichen und politischen Werdegang, der ihn von der Hightech-Medizin zur Medizin für die Ärmsten der Armen führte. Er spricht darüber, wie sich sozialer Status und Armut negativ auf die genetischen Voraussetzungen der jüngsten Mitglieder der Gesellschaft auswirken können, was zu einer lebenslangen Benachteiligung und einem früheren Tod führt.

Wichtig ist auch, was Lauterbach davor sagte!

Zuvor erzählt Lauterbach, dass er in den USA fertig studierte und in Deutschland nun zwei Möglichkeiten hatte: Ein arbeitsloser Leser zu sein oder eine Professur anzutreten. Er entschied sich für Zweiteres und stellte fest, dass es noch keinen einzigen kombinierten Lehrstuhl für seine studierten Wissensgebiete gab: Health Epidemiologie und Gesundheitsökonomie.

Da also tatsächlich noch niemand diese sinnvolle Kombination der Wissensgebiete lehrte und gleichzeitig auch Physiker war, schlug er diesen Lehrstuhl vor – und bewarb sich dafür dann auch gleich.

Die Kombination mehrerer Wissensgebiete zu einem neuen Lehrstuhl ist übrigens keine Erfindung Lauterbachs, sondern eine in den USA damals übliche Methodik, die in Deutschland erst 15 Jahre später eingeführt wurde, wie das Deutsche Ärzteblatt 1997 berichtete.

Was ist ein Professor?

Durch die Reaktionen und dem Wort „erschlichen“ scheinen viele der Meinung zu sein, dass Lauterbach also gar kein „richtiger“ Professor sei… doch viele scheinen gar nicht zu wissen, was ein Professor überhaupt ist.
Deshalb hier in Kürze: Professor ist ein akademischer Titel, kein akademischer Grad!

Während ein Doktortitel einen akademischen Grad darstellt, für den man eine Doktorarbeit geschrieben haben muss, ist „Professor“ eine Amts- beziehungsweise Berufsbezeichnung. Dieser Titel ist mit einem Anstellungsverhältnis an einer Universität oder Hochschule, einer sogenannten Professur, verbunden und erlischt wieder mit dem Ausscheiden aus der Universität oder Hochschule.

Fazit

Karl Lauterbach hatte vorher schon die Universität zu Köln dahingehend beraten, ein Institut für Health Epidemiologie und Gesundheitsökonomie einzurichten. Da es außer ihm selber kaum jemanden in Deutschland gab, der auf diesem Gebiet promoviert hatte, bekam er die Professur, als er sich darauf bewarb und wurde entsprechend beauftragt, das Institut aufzubauen.

Und das ist eine weitaus größere Leistung, als einfach „nur“ eine Professur einzugehen – er beriet die Universität dabei, den kompletten Lehrstuhl aufzubauen und bewarb sich danach auf jene freie Professur. Sehr vereinfacht gesagt: Es ist, als ob ihr zwei Wissensgebiete kombiniert und einen kompletten Lehrplan dafür entwerft und organisiert. Dann ist klar, dass ihr dann auch der beste Lehrer dafür wärt, oder?

Artikelbild: YouTube

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